Mehdi Nédellec der Street Box Fotograf

Treffen mit dem Street Box Fotografen Mehdi Nédellec

Als ich mir in Arles eine Fotoausstellung in dem ehemaligen Krankenhaus von ca. 1850 ansehen wollte, kam ich zuerst in den Innenhof des Gebäudes. Dieser Garten im Innenhof hatte sich schon seinerzeit Vincent van Gogh als Vorlage für einige seiner Meisterwerke genommen. Heute hat dieser Garten nichts an seinem Zauber verloren und wird vorwiegend in Selfies festgehalten und mit einer Street Box.

Bei einem kurzen Blick durch den Innenhof viel mir sofort in einer Ecke eine

sehr große unförmige Kamera auf. Also nicht der mir bekannte Hightech Kram, sondern ein selbst gebauter Kasten aus Holz und hinter dieser Kamera steht der Fotograf Mehdi Nédellec. Ein freundlicher Franzose mit selbstgedrehte Zigarette im Mund, der mir dann, als ich näher kam auch sofort erklärte, dass es sich bei den Fotos um Unikate handle, die auf Direktpositivpapier belichtet werden. Ein kurzer Blick über die Bilder in seiner Vitrine und ich war angefixt.

Ich musste mich sofort dem Charme hingeben, mit einer solchen Kamera fotografiert zu werden und war natürlich auch auf das Ergebnis gespannt. Da es schon sehr spät war, haben wir uns für den nächsten Tag in seinem „Outdoor Studio“ verabredet.

Street Box (und wo ist das Vögelchen?)

Das Shooting

Am nächsten Tag durften wir uns dann den Hintergrund in der „van Gogh Location“  aussuchen und die Street Box wurde in Position gebracht. Durch einen Blick hinten in die Kamera hat Mehdi die Schärfe eingestellt. Kurz noch mit einem Handbelichtungsmesser die Belichtungsdaten ermittelt und schon mussten wir 1  3/4 sec. stillhalten. Das ist ganz schön lange, wenn man sich nicht bewegen darf. Durch einen Griff in das Kamerainnere hat Mehdi dann das belichtete Papier in einen lichtdichten Karton getan und zur mobilen Dunkelkammer gebracht. So wie mir Mehdi erklärte, hat er die Papierentwicklung früher auch in der Kamera vorgenommen, nur ist immer der Entwickler aus der Schale gelaufen, wenn er die Kamera neigen musste.

Die Dunkelkammer

Ein Geheimnis bei der Entwicklung hat mir Mehdi dann verraten: um bei den 37°C Außentemperatur gut arbeiten zu können gibt er einen Eiswürfel mit in die Entwicklerschale.
Als das Foto dann fertig entwickelt in den Fixierer kam, konnte ich mir auch das Ergebnis schon anschauen und das Ganze hat keine 5 min gedauert. Wie Polaroid aber vor 100 Jahren. Ein sehr hartes kontrastreiches Bild und mit verschobenen Farben. (Naja eigentlich Grauabstufungen.) Bei der Aufnahme habe ich ein hellblaues T- Shirt an und meine Frau ein hellrotes Kleid. Auf dem Bild wird das Blau weiß und das Rot wird schwarz. Die Verschiebung auf dem Papier erinnert mich an die Verwendung von Farbfiltern in der Schwarzweißfotografie. Denn bei der Verwendung eines Rotfilters kommt man zu ähnlichen Ergebnissen.

Direktpositivpapier

Damit war das Bild aber noch nicht bereit zum mitnehmen. Wässern und trocknen müssen ja auch noch sein. Mehdi fragte uns, ob wir noch Zeit haben  das fertige Bild am nächsten Tag abzuholen. Da für Ungeduldige die Möglichkeit besteht, das nasse Bild mitzunehmen und vorsichtig zu transportieren.
Das Ergebnis hat mich wirklich begeistert, der entschleunigte Prozess und das back to the roots haben schon ihren Reiz und mit den richtigen Motiven lässt es sich in der Kunstfotografie einiges sicher toll umsetzen .

und nun

… juckt es richtig in meinen Fingern selbst mit diesem Papier zu experimentieren und auch eine Kamera zu bauen. Das Papier hat Mehdi übrigens  bei Fotoimpex in Berlin  bezogen. Für den Entwickler schaut mal in den Beitrag über die Rezepte.


Im Bericht habe ich über die Verschiebung der Grauwerte durch den Einsatz von Farbfiltern geschrieben. Wenn Ihr Interesse an dem Thema habt, so lasst es mich bitte wissen.

 

Auch möchte ich gerne mehr auf Eure Wünsche eingehen und freue mich wenn Ihr Fragen zu dem Thema Fotografie oder Colormanagement habt. Ich werde dann speziell in einem Bericht auf das Thema eingehen. Bitte schreibt unten in die Kommentare oder:

Infomail Brainfracking, Farbmanagement, Farbmetrik, Fotografie, Fotodesign


 

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Eine Antwort auf „Mehdi Nédellec der Street Box Fotograf“

  1. Hallo,
    Interessanter Beitrag!
    Ich kann mir nicht vorstellen was ein Farbfilter in der B&W -Fotografie bewirken soll und würde mich über einen Beitrag zu dem Thema freuen.

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