Belichtungsmessung mit der Graukarte

Die Graukarte

Ich habe mir wieder eine Graukarte gekauft um einem Azubi zu zeigen wie man mit einfachen Hilfsmitteln in schwierigen Situationen zu einem gut belichteten Bild kommt.

Meine erste Graukarte habe ich mir vor ca. 35 Jahren gekauft. Damals bin ich von Geschäft zu Geschäft gelaufen und die Fachverkäufer haben mich angeschaut, als ob sie ein Fragezeichen verschluckt haben.
Diesmal war es schließlich einfacher an eine Graukarte zu kommen. Ein Click und ich bekomme die Angebote im Internet. Sogar in den zwei Geschäften in denen ich war, kannten alle eine Graukarte und in dem 2. Geschäft war sogar eine vorrätig. Die ich dann erworben habe.

Graukarte auf weissem Hintergrund alsProduktfoto
Graukarte

Die Graukarte ist eine Kunststoffkarte mit:

  • einer weissen Seite für den Weissabgleich von Digitalkameras
  • einer grauen Seite zur exakten Belichtungsbestimmung

Warum komme ich nun mit
einem so antiquierten Hilfsmittel ?

Den Prozess beherrschen, ein Objekt so abzubilden, wie es in der Natur zu sehen ist, oder auch bewusst in den  Prozess einzugreifen zu können, ist das Ziel. Wenn wir eingreifen so sollte dies nicht dem Zufall überlassen werden. Dabei kann uns die Graukarte hilfreich zur Seite stehen.
Ich habe mir damals als Azubi die Karte gekauft, um meinen Ausschuss an nicht optimal belichteten Bildern zu reduzieren. Ein Film war für mich damals viel Geld. Heute hat meine Kamera einen eingebauten Belichtungsmesser, Automatiken  und ein Display um alles direkt zu kontrollieren. Aber der Schein trügt, die Automatiken haben ihre Grenzen , die Kameradisplays sind nicht kalibriert und zeigen etwas anderes, wie unser hoffentlich kalibrierter Monitor zu Hause. In diesen Fällen kann die Graukarte auch heute noch gute Dienste leisten.

Belichtungsmessung mit der Objekt-, Kontrast- oder Lichtmessung

Filme, Sensoren und Belichtungsmesser ob Kameraintern- oder Extern sind auf eine mittlere Helligkeit eingestellt. Eine Graukarte reflektiert 18% des einfallenden Lichtes und sollte matt gestaltet sein, um nicht zu spiegeln. So eine Graukarte ist der Referenzwert für ein mittleres Grau und ideal als Abgleich für Belichtungsmesser geeignet.

Die Objektmessung

Die Digitalkamera verwendet die Objektmessung, dabei wird direkt auf das auszumessende Objekt gerichtet und gemessen. Auch mit den Handbelichtungsmessern ist eine solche Messung möglich. Bei dieser Messmethode geht man davon aus, daß das Motiv einen mittleren Tonwertumfang hat. An meiner Digitalkamera kann ich zwischen verschiedenen Messmethoden wählen. Diese unterscheidet zwischen:

  • Matrixmessung
  • Mittelbetonte Messung
  • Spotmessung
  • Lichterbetonte Belichtungsmessung (diese fällt aus der Reihe der Methoden, die ein mittleres Grau zugrundelegen, raus)

Der Belichtungsmesser kann jedoch nicht die Reflexion, den Tonwertumfang und die Struktur eines Objektes berücksichtigen. Das kann in einzelnen Fällen zu einer Fehlbelichtung führen. Ein schwarzer Pudel vor einer schwarzen Wand würde so belichtet das Pudel und Wand grau erscheinen.

Hier führt die graue Karte, die man in die Nähe des Motivs stellt, zu korrekten Ergebnissen wenn diese von dem Belichtungsmesser angemessen wird. Anschließend überträgt man die Werte im Manuellen Modus auf die Kamera.

Die Kontrastmessung

Bei kontrastreichen Motiven empfiehlt es sich, die hellsten und dunkelsten Stellen des Objektes anzumessen und daraus einen Mittelwert zu ermitteln.
Diese Methode wende ich oft bei der Panoramafotografie an, da man beim schwenken des Objektivs oft große Kontrastunterschiede überwinden muss.
Sind diese Unterschiede zu groß, verwende ich HDR um den Kontrastumfang im Bild zu erweitern.

Die Lichtmessung

Ist direkt mit einer Kamera nicht möglich. Bei dieser Methode wird das auf das Objekt fallende Licht gemessen. Einige Belichtungsmesser besitzen eine Diffusorkalotte, die vor die Messzelle geschoben wird. Deshalb kann man einen so ausgestatteten Belichtungsmesser direkt in die Lichtquelle halten.  Dabei gelangt man zu sehr guten Belichtungsergebnissen.
Die Diffusorkalotte besitzt einen Maßwinkel von 180° und eine Lichtdurchlässigkeit von 18%. Also genau der Reflektionsgrad einer Graukarte. Besonders gut eignet sich diese Methode in der Studiofotografie, da diese Handbelichtungmesser oft auch Blitzlicht messen können. Auch sind diese Belichtungsmesser deutlich genauer als alle anderen Meßmethoden.

Wer einen Handbelichtungsmesser besitzt ohne Diffusorkalotte greift als Hilfsmittel  auf die Graukarte zurück. Diese hält man so, dass das Licht, welches das Objekt beleuchtet auf die Graukarte fällt. Aus Richtung der Kamera wird dann gemessen.
Etwas umständlicher kann man die Graukarte auch in der Studiofotografie einsetzen. Hier müsst Ihr Probefotos machen und wiederum darauf achten, daß das Licht welches auf das Motiv fällt gemessen wird. Anschließend beurteilt Ihr das Histogramm und der Maximalpeak sollte in der Mitte liegen.
Wenn dies nicht der Fall ist, Blende, Zeit oder ISO  anpassen bis das Histogramm OK gibt. Bei dieser Methode darauf achten, dass die Graukarte in der Nähe des Motivs liegt und Formatfüllend abgebildet wird. Die Schärfe ist hierbei egal.

Das Handy als Belichtungsmesser

Foto eines Smartphon mit BelichtungsmesserappAls einfachen Handbelichtungsmesserersatz gibt es mittlerweile auch APP`s für Euer Handy. 0,99 € sind nicht viel, aber der Messwinkel ist so gross, dass man nicht weiss was man genau anmisst. Wenn man das Handy leicht kippt kommt es schnell zu grossen Messwertschwankungen, wie ich in einem ersten kurzen Test feststellen konnte. Eine Lichtmessung hingegen unter Verwendung der Graukarte zeigte dann die gleichen Ergebnisse wie meine Nikon. Das lohnt sich sicher mal das näher anzuschauen…


Wie man mit Hilfe der Graukarte einen Weißabgleich macht, kommt im nächsten Bericht.

Soll ich noch genauer auf den Einsatz der Graukarte in der Belichtungsmessung eingehen so lasst es mich wissen und schreibt mir eine kurze Mail.

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